13.06.2017 12:24 Alter: 99 days
Kategorie: Aktuelles

Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung

Der demographische Wandel und die darauffolgende Anhebung des Renteneintrittsalters [aktuell schon bei 67 Jahren] bedingen, dass das Durchschnittsalter der Beschäftigten in deutschen Betrieben immer höher wird. Im Kontrast dazu, wird die Zahl der Personen mit erwerbsfähigen Alter [Personen ab 15 Jahren] immer kleiner. Diese Tatsache stellt Unternehmen vor große Herausforderungen: Wie ist die Arbeit mit einem immer älter werdenden Personal zu gestalten? Denn Unternehmen müssen weiterhin ihre Leistung erbringen, um im Markt bestehen zu können und gleichzeitig ihren Beschäftigten eine menschengerechte, demzufolge altersgerechte, Arbeitssituation bieten.


Aufgrund des besagten Fachkräftemangels ist es relevant, das bestehende qualifizierte Personal zu halten. Hierbei ist es aber wichtig die Arbeitsbedingungen an das Alter der Mitarbeitenden anzupassen. Erst dann kann die vollkommene Leistungs- und Arbeitsfähigkeit des alternden Personals gefördert und genutzt werden. Schon eine teilweise oder annähernde Anpassung an das Prinzip eines alter[n]sgerechten Unternehmens zeigt positive Effekte:

  • Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter|innen
  • Förderung der Unternehmensbindung
  • Geringere Fehlzeiten

Man erreicht demnach viel mehr, als nur die Verlängerung der Arbeitsfähigkeit in das steigende Alter. Aber wie können Unternehmen genau diese nötigen Auswirkungen im immer älter werdenden Arbeitsmarktes erlangen?

Der Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin [baua] gibt hinsichtlich der altersgerechten Arbeitsgestaltung Hinweise, die zum Erhalt und zur Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden beitragen. Als Grundlage hierzu dienen fünf Gestaltungsfelder, die Unternehmen bei der Umstellung zum altern[s]gerechten Arbeiten verhelfen.

Gestaltungsfeld „Arbeitsaufgabe“

Die Herausforderung der Arbeitsaufgabe ist es, die geistige Leistungsfähigkeit sowie die Arbeitsmotivation und –zufriedenheit zu stärken. Dies gelingt durch die Bereitstellung eines angemessenen „Handlungsspielraums“ für Beschäftigte in ihrem Arbeitsumfeld.

Im Laufe des Lebens wird autonomes Arbeiten immer wichtiger. Es bietet Mitarbeitern|innen die Möglichkeit ihre Stärken besser einzubringen und altersbedingte Schwächen zu reduzieren. Arbeitsaufgaben sollten daher immer genügend Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten haben. Ebenso haben abwechslungsreiche Aufgaben, vor allem mit erhöhter Anforderungsvielfalt einen positiven Effekt. Durch geistig fordernde Aktivitäten bleiben ältere Mitarbeiter|innen kognitiv flexibel! Auch die Aufgabenkomplexität hat eine ähnliche Wirkung. Mit zunehmenden Alter wird es immer wichtiger Beschäftigte mit einer mental stimulierenden Umgebung und lernförderlichen Aufgaben zu versehen.

Gestaltungsfeld „Arbeitsorganisation“

Auch die Belastbarkeit der Arbeitnehmer|innen verändert sich im Laufe ihres Lebens. Zu beachten ist an dieser Stelle die Berücksichtigung von Arbeitszeiten und Arbeitsabläufen. Hierbei ist es wichtig, zum Beispiel Schichtmodelle anzupassen, die Arbeitsgeschwindigkeiten abzustimmen und Arbeitsunterbrechungen zu reduzieren. Hilfreich ist auch ein geplanter Belastungs- und Tätigkeitswechsel.

Gestaltungsfeld „Soziale Beziehungen“

Für ältere Mitarbeiter|innen ist es sehr wichtig soziale Unterstützung zu erfahren. Je mehr  Beschäftigte einen wertschätzenden und respektvollen Umgang von Kollegen und Kolleginnen sowie auch von Vorgesetzten erlebt, desto länger bleibt er dem Unternehmen erhalten und desto mehr fühlt er sich mit seiner Arbeitssituation verbunden. Eine soziale Einbindung und die Arbeit in altersgemischten Teams, darf also in der Arbeits- und Personalorganisation nicht fehlen, wenn die Leistung der älteren Mitarbeiter|innen erhalten werden soll.

Gestaltungsfeld „Arbeitsumgebung“

Der Begriff „Arbeitsumgebung“ spiegelt weitestgehend den gewöhnlichen Arbeitsschutz wieder. Im Zusammenhang mit altersbedingten Veränderungen eines Menschen rücken verschiedene technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen immer mehr in den Mittelpunkt.

Eine Verschlechterung der Sehfähigkeit oder eine Hörminderung müssen durch bestimmte Vorkehrungen zu nicht hindernden Eigenschaften verwandelt werden. Auch die erhöhte Sensibilität gegenüber klimatischen Bedingungen und Vibrationen sowie der gesteigerte Bedarf an körperlicher Erholung, zählt dazu. Der Artikel gibt Tipps, die diesen leistungsmindernden Veränderungen entgegenwirken [z. B. durch bessere Beleuchtung, kontrastreicher Bildschirm, Gehörschutz und ähnliche.

Gestaltungsfeld „Betrieblicher Kontext“

Zu guter Letzt gibt der Bericht Hinweise auf die Eingliederung von alter[n]sgerechter Arbeitsbedingungen im betrieblichen Kontext. Hier ist zu beachten, dass gerade demographie-bedingte Maßnahmen leichter umzusetzen sind, wenn diese systematisch eingeführt werden. Sinnvoll wäre eine Eingliederung in bekannte Strukturen wie beispielsweise in den Arbeits- oder Gesundheitsschutz. Hier erzielen Sie die größte Wirkung!

Ebenso hat ein gezieltes Personalmanagement einen ähnlichen Effekt. Der Bericht der baua empfiehlt die „Qualifizierung und Kompetenzentwicklung sowie altersgerechte Gestaltung beruflicher Laufbahnen“. Denken Sie doch einmal über die Chancen horizontaler Entwicklungsmöglichkeiten oder regelmäßiger Aufgabenwechsel nach!

Fazit: Eine Win-Win-Situation für Mitarbeitende und Unternehmen!

Hinter dem Erfolg einer Firma steht immer das Potential der Beschäftigten. Und genau diese müssen in ihrem Alterungsprozess, der so viele berufliche Veränderungen mit sich mitbringt, unterstützt werden. Damit kann die Gesundheit der alternden Mitarbeiter|innen, die damit verbundene Leistungsfähigkeit und demnach die Qualität ihrer Leistung erhalten werden!

Vielen Unternehmen ist die Lage des aktuellen Arbeitsmarktes und die Wichtigkeit der Personalrekrutierung und –haltung schon klar geworden. Aber wie kann man diesen demographischen Veränderungen entgegenwirken? Nur durch bewusstes und gezieltes Einsetzten von geeigneten Maßnahmen, die den demographischen Veränderungen gerecht werden, können Betriebe weiterhin stabil und sogar noch stärker in ihrem Schaffen auftreten.

Wenn Sie mehr Informationen zu dem Thema „Alter[n]sgerechtes Arbeiten“ und die damit verbunden Handlungs- und Organisationhinweise erhalten möchten, wenden Sie sich gerne an uns oder entnehmen Sie diese aus dem Artikel der Bundesanstalt für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin.


Autorin: Christina Pirner

Quelle,:

I. Mühlenbrock: Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. Grundlagen und Handlungsfelder für die Praxis; 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2016.

Link: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Praxis/Arbeitsgestaltung.pdf?__blob=publicationFile&v=2