04.09.2017 16:31 Alter: 78 days
Kategorie: Aktuelles

Ein Interview zum betrieblichen Eingliederungsmanagement

Herr Huber [Name von der Redaktion geändert] ist 59 Jahre alt und arbeitet seit 17 Jahren in der Controlling-Abteilung eines Automobilzulieferers. Er ist bereits seit mehreren Jahren stellvertretender Abteilungsleiter. Herr Huber hatte vor mehr als einem Jahr einen Schlaganfall und konnte bis März 2017 nicht arbeiten. Im März 2017 führten wir mit Herrn Huber mehrere Gespräche im Rahmen der betrieblichen Eingliederung.


IfG: Herr Huber, als Sie das Schreiben erhalten haben, dass Sie zu einem Gespräch bezüglich des Betrieblichen Eingliederungsmanagement [BEM] eingeladen werden - welche Gedanken gingen Ihnen da durch den Kopf?

Herr Huber: Zunächst einmal war ich sehr überrascht, denn ich wusste vom betrieblichen Eingliederungsmanagement bis dahin so gut wie nichts. Ich stimmte dem Gespräch natürlich zu, war jedoch sehr gespannt und hatte auch ein wenig Angst, da ich nicht wusste, was da auf mich zukommt.

IfG: Wie ging es Ihnen dann in dem Gespräch?

Herr Huber: Ich fand es toll, dass mir zunächst erklärt wurde, wie der Prozess des betrieblichen Eingliederungsmanagement abläuft. Besonderen Wert habe ich auch darauf gelegt, dass der Datenschutz bei diesem sensiblen Thema gewährt ist. Durch die gute Einführung in das Thema konnte mich sofort darauf einstellen, welche Schritte ich durchlaufen werde und welches Ziel dahinter steht: Mir eine optimale Eingliederung in das Berufsleben nach meiner mehr als 18 monatigen Abwesenheit zu ermöglichen. Trotz meiner anfänglichen Skepsis fand ich sehr schnell Vertrauen zu meiner Gesprächspartnerin. Ich war auch erstaunt, wie schnell sie die Problematik meiner Erkrankung und die Auswirkungen, die dies auf mein Arbeitsleben hat, erkannte.

Da meine Erkrankung nicht vollends geheilt war, fand ich es gut, dass durch dieses Gespräch eine weitere Reha-Maßnahme angestoßen und letztendlich genehmigt wurde. Ich habe auch ein Verständnis dafür bekommen wie wichtig es ist noch weiter therapeutisch begleitet zu werden. Denn ich hatte schon bei längerem Lesen oder konzentriertem Arbeiten zuhause Kopfweh, Schwindel und Verspannungen im Nacken. 

IfG: Was wäre denn passiert, wenn die Wiedereingliederung nicht stattgefunden hätte?

Herr Huber: Ich glaube alle Beteiligten wären etwas frustriert gewesen. Ich möchte ja meine Leistung wieder erbringen. Und mein Arbeitgeber wäre unzufrieden gewesen, da er keine ausreichenden Leistungen von mir erhalten hätte. Durch das Dreier-Gespräch mit dem BEM-Berater und dem Arbeitgeber wurde jedoch allen Seiten deutlich, wie wichtig es ist, jetzt nochmal eine Schleife in der Reha-Klinik zu drehen.

Seit August bin ich in der Wiedereingliederung. Angefangen habe ich mit 3 Stunden pro Woche für 3 Wochen. Dies hat sich dann gesteigert auf 5 Stunden für weitere 3 Wochen und letztendlich 7 Stunden für weitere 3 Wochen. Auch die Arbeitsinhalte haben sich in diesem Tempo langsam gesteigert. Konfliktäre Gespräche und Sachverhalte waren am Anfang noch nicht in meinem Aufgabengebiet, genauso wenig hochkonzentrative und komplexe Zusammenhänge wie z. B. Controlling-Aufgaben, die mit dem Ausland zu tun haben und in einer anderen Sprache verfasst sind.

IfG: Wie geht es Ihnen jetzt?

Herr Huber: Nun, seit Oktober arbeite ich wieder in Vollzeit wie früher. Ich merke schon, wie anstrengend manche Tage sind. Jedoch erkenne ich, wie wertvoll Pausen zur Regeneration sind. Mein Arbeitgeber hat darüber hinaus vollstes Verständnis, wenn ich an einem schlechten Tag mal früher gehe oder eine längere Pause mache. Durch die geografische Nähe meines Wohnortes ist es mir auch möglich, meine Mittagspause zuhause zu verbringen. Nach dem Mittagessen lege ich mich daher oft 10 – 15 Minuten hin um neue Kräfte zu schöpfen und frisch erholt in den Nachmittag zu starten.

Ich bin froh und zufrieden, dass ich meine frühere Arbeitstätigkeit wieder vollständig erfüllen kann. Natürlich brauche ich noch bei diversen Aufgaben etwas länger als früher, das fällt aber nur mir selbst auf. Meine Kollegen und mein Arbeitgeber sind sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich bin froh, dass das mit dem betrieblichen Eingliederungsmanagement so gut geklappt hat. Ich möchte es jedem Betroffen in einer ähnlichen Situation wärmstens ans Herz legen.

IfG: Danke für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin beruflich und gesundheitlich alles Gute!