Neuerungen der DIN ISO 45001

Seit Mitte 2013 erarbeitet die Arbeitsgruppe „ISO/PC 283“ die Norm ISO 45001, die das Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement [A&GSM] auf internationalem Level vereinheitlichen soll.

Der erste Normentwurf [Draft International Standard – DIS] zur ISO 45001, der im Februar 2016 erschienen ist, wurde vom Gremium ISO/PC 283 abgelehnt. Nun wurde am 26.04.2017 der zweite Normentwurf veröffentlicht und gibt Anlass über Änderungen und Neuerungen zu informieren.

Neben vielen Anpassungen der Formulierungen, werden im neuen Entwurf schwerpunktmäßig folgende Themen überarbeitet:

  • genaue Beschreibung der Einhaltung und Umsetzung von Rechtsvorschriften,
  • explizite Beschreibung von Beteiligung und Konsultation von Beschäftigten,
  • Konkretisierung der Forderungen an die Kommunikation,
  • weitere Implementierung von Chancen im Arbeits- und Gesundheitsschutz,
  • Anpassungen von Formulierungen der Steuerungs- vorher Maßnahmenhierarchie,
  • Dokumentation auch bzgl. gesetzlicher Vorschriften und sonstigen Anforderungen,
  • Kommunikation der Ergebnisse von internen Audits und  Managementbewertungen,
  • Integration des A&GSM in weitere Prozesse der Organisation,
  • Kontinuierlicher Verbesserung

Im Detail ergeben sich folgende Veränderungen im neuen DIS:

„Gesetzliche Vorschriften und sonstige Anforderungen“ [3.9] werden stärker auf den Stand der Technik, weitere Erkenntnisse und Vereinbarungen bezogen und somit der Anforderungsbereich weiter gefasst als die gesetzlichen Anforderungen. Bei der Bewertung der Leistungen sollen „Verpflichtungen“ statt „Gesetzlicher Verpflichtungen und sonstiger Anforderungen“ bewertet werden [9.1.2]. In der Managementbewertung soll die Bewertung der Übereinstimmung mit gesetzlichen Vorschriften und anderen Anforderungen in die A&GS-Leistungen einbezogen werden [9.3 d) 3]. Die Ziele müssen “gesetzlichen Vorschriften und sonstige Anforderungen“ berücksichtigen [6.2.1 c)].

Die Forderung an die oberste Leitung, die Verantwortung für den „A&G-Schutz zu übernehmen“, wird durch die Formulierung „zur Vermeidung arbeitsbezogener Verletzungen und/oder Krankheiten sowie die Bereitstellung von sicheren und gesunden Arbeitsplätzen und Tätigkeiten“ eindeutiger und klarer dargestellt [5.1 a)]. Außerdem wird gefordert, dass Beschäftigte, bei Meldung von Missständen, vor Repressalien zu schützen sind [5.1 k)], die Beteiligung der Beschäftigten sicherzustellen ist [5.1 l)] und ggbf. Arbeits- und Gesundheitsschutzausschüsse gegründet werden, die durch die oberste Leitung unterstützt werden [5.1 m)].

Die Beteiligung wird schon durch die Begriffsdefinitionen spezifizierter dargestellt. Während im ersten Entwurf die Definition der Beteiligung [3.4] noch vom Einbezug der Mitarbeiter in den Entscheidungsprozess gesprochen wurde, sollen nun die Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Auch bei der Konsultation [3.5] sollen Mitarbeiter zukünftig nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen, sondern vor dem Treffen der Entscheidung die Ansichten der Mitarbeiter eingeholt werden. Abseits der Beteiligung wird bezüglich des Bewusstseins der Mitarbeiter im Kapitel „Unterstützung“ [7.3] gefordert, dass Vereinbarungen zu treffen sind, die es den Beschäftigten ermöglichen, sich aus Arbeitssituationen zurückzuziehen, welche ihrer Ansicht nach eine unmittelbare und ernsthafte Gefahr für ihr Leben und ihre Gesundheit bedeuten, um sie vor daraus resultierenden, unangemessenen Folgen zu schützen.

Die Bedarfsermittlung der internen und externen Information und Kommunikation wird in einen aufzubauenden, zu verwirklichenden und aufrechtzuerhaltenden Prozess zur internen und externen Kommunikation geändert [7.4]. Dadurch wird der Schwerpunkt stärker auf die wechselseitige, zielgerichtet und effiziente Kommunikation zwischen Führung, Beschäftigten und Externen gelegt und weniger auf die einseitige Information.

Für die Auswahl der richtigen Schutzmaßnahmen wird bereits in der Überschrift des Abschnitts 8.1.2 beschrieben, dass „Gefährdungen beseitigt und A&GS-Risiken verringert“ werden sollen. Die Punkte der technischen, organisatorischen und persönlichen / personenbezogenen Maßnahmen [8.1.2 c) und d)] werden neu formuliert, bilden inhaltlich jedoch dasselbe ab. Die Begrifflichkeit der Maßnahmenhierarchie wird durch die Begrifflichkeit der „Steuerungshierarchie“ abgelöst.

Für geplanten Veränderungen an der Organisation, ihrer Prozesse, Produkte, Beschäftigte, Geräte oder Arbeitsumgebungen muss ein Prozess festgelegt werden, um negative Auswirkungen auf die A&GS-Leistung zu verhindern [8.1.3.]. So soll erreicht werden, dass frühzeitig die Bewertung von Risiken und Chancen im Unternehmen verankert wird. In der Managementbewertung sollen die Integration der „A&GSM-Systems mit anderen Geschäftsprozessen“ berücksichtigt werden, ebenso „Folgerungen für die strategische Ausrichtung der Organisation“ [9.3].

Das A&GS-Managementsystem der Organisation muss neben den durch Norm und Organisation festgelegten auch die von den gesetzlichen Vorschriften und sonstigen Anforderungen geforderten dokumentierten Informationen enthalten [7.5].

Alle interessierten Parteien sollen in die „Notfallplanung und -reaktion“ [8.2] einbezogen werden.

Generell sollen interne Audits mit festgelegten Programmen [9.2.2] durchgeführt werden. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollen die Ergebnisse der internen Audits an die zuständigen Führungskräfte anstatt der zuständigen Leitung weitergegeben werden [9.2.2 d)].

Für die Bewertung der Leistungen hinsichtlich der Überwachung und Messung der A&GS-Ziele muss auch die Wirksamkeit von betrieblichen und anderen Kontrollen berücksichtigt werde. Also ist es nicht nur wichtig zu kontrollieren, sondern auch deren Wirksamkeit zu prüfen. [9.1.1].

Im Abschnitt Verbesserung [10] wird konkreter aber auch einfacher beschrieben, dass ein Prozess existieren muss. Jede Maßnahmen muss jedoch im Vorfeld geprüft werden, ob sie zu „neuen oder geänderten Gefahren“ führen kann [10.2.b), 3.e)] und die Verbesserungen müssen den „Beschäftigten und falls vorhanden deren Vertretern“ mitgeteilt werden [10.3.d].

 

Den Entwurf können Sie unter http://www.entwuerfe.din.de herunterladen. Kommentare können bis zum 23.06.2017 eingereicht werden.

Nach Prüfung der Kommentare und Anmerkungen aus der Fachwelt soll im Herbst 2017 ein Schlussentwurf zur Abstimmung vorliegen und der Wirtschaft zugänglich gemacht werden. Die internationale Norm ISO 45001 soll voraussichtlich Anfang 2018 erscheinen und dann in die DIN ISO 45001 übersetzt werden.

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