Die Grippewelle und der Präsentismus

Krankenhäuser gelangen teilweise an ihre Grenzen, wegen der vielen Grippe-Patienten, die zu versorgen sind. Die Gripperolle bringt auch das Risiko mit sich, sich damit anzustecken. Und das passiert viel zu häufig am Arbeitsplatz. Laut einer repräsentativen Studien des DGB gehen zwei von drei Beschäftigten trotz einer Erkrankung zur Arbeit. Fast jeder zweite Beschäftigte sogar länger als eine Woche. Präsentismus heißt das Phänomen, wenn Mitarbeiter krank zur Arbeit gehen.

Mögliche Gründe für Präsentismus

  • Druck durch unsicheres Arbeitsverhältnis wie z. B. befristeter Arbeitsvertrag oder Leiharbeit
  • Enge Terminvorgaben
  • Strafen bei Terminüberschreitungen
  • Mangelndes Personal und Personalreserven
  • Starkes Pflichtgefühl und erhöhte Rücksichtnahme auf Kollegen
  • Gefühl der Unersetzbarkeit
  • Arbeit kann nicht delegiert werden, muss dennoch erledigt werden
  • Geschäftstermine, die nicht delegierbar oder verschiebbar sind
  • Anhäufung von Arbeitsaufgaben in der Abwesenheit
  • Krankengeld bei längeren Erkrankungen
  • Krankheitsbedingter Wegfall von Bonuszahlungen
  • Häufige Fehltage wegen der Krankheit der Kinder führt dazu das Abstriche bei der eigenen Gesundheit gemacht werden

Es lassen sich zahlreiche, ganz unterschiedliche Gründe für Präsentismus finden. Eine eindeutige Diagnose ist nicht immer möglich. Daher empfiehlt es sich bei auffälligen Beschäftigten das Thema Präsentismus in einem Mitarbeitergespräch anzusprechen und sie dafür zu sensibilisieren.

Was Präsentismus das Unternehmen kostet

Durch Präsentismus wird nicht nur der eigene Körper unnötig strapaziert. Auch der Arbeitgeber fährt Verlust ein. Denn der Mitarbeiter ist weniger leistungsfähig und die Gefahr für allgemeine Fehler oder auch Arbeitsunfälle ist erhöht. Wenn eine Krankheit verschleppt wird, ist außerdem die darauffolgende Ausfallzeit viel höher. Denn verschleppte Krankheiten können auch ernsthafte Erkrankungen auslösen. Bei Infekten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ganz schnell eine komplette Abteilung lahmgelegt wird. Der Präsentismus hat sich dann eindeutig als folgenschwerer Fehler herausgestellt.

Eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company hat für die Felix-Burda-Stiftung die Kosten für deutsche Arbeitgeber im Jahr 2011 eingeschätzt. Die durchschnittlichen Kosten auf krankheitsbedingte Ausfälle liegen bei 1.199 € pro Jahr und Mitarbeiter. Die Präsentismuskosten fallen mit 2.399 € doppelt so hoch aus. Die Produktivitätseinbußen sind sogar doppelt so hoch wie bei Fehlzeiten. Wer mit Grippe zur Arbeit geht, schadet somit nicht nur sich selbst, sondern auch dem Arbeitgeber.

Sensibilisierung für Präsentismus als Bestandteil der Unternehmenskultur

Zunächst empfiehlt es sich die Unternehmenskultur und –werte auf die Sensibilisierung von Präsentismus zu überprüfen. Beispielsweise ist in Argentinien die Förderung von Präsentismus gängige Praxis. Lehrerinnen und Lehrer, die einem Monat keine Fehltage aufweisen, erhalten eine finanzielle Zulage. Diese finanzielle Zulage [sogar bezeichnet „Presentismo“] stellt somit einen enormen Anreiz dafür dar krank zur Arbeit zu gehen.

Führungskräfte haben eine Schlüsselposition beim Umgang mit Krankheit und Präsentismus. Der Führungsstil und die eigene Vorbildfunktion sind entscheidend für das Verhalten der Mitarbeiter. Wenn die Führungskräfte krank zur Arbeit gehen, fördert dies möglicherweise den Präsentismus der Mitarbeiter. Durch Gespräche mit den Beschäftigten können Sie das Thema ansprechen.

Gesundheitskompetenz als effektivstes Mittel zur Präsentismus-Vermeidung

Durch gesundheitsfördernde Maßnahmen können sie die Fitness und Gesundheit ihrer Mitarbeiter beeinflussen. Gesundheitsaktive Mitarbeiter sind widerstandsfähiger und werden seltener krank. Sie können einen gesundheitsbewussten Lebensstil nicht vorschreiben, aber sie haben es in der Hand die Weichen für die richtige Richtung zu stellen!