Einfluss psychischer Belastungen am Arbeitsplatz auf das Neuroenhancement

Zusammenfassung der empirischen Untersuchungen an Erwerbstätigen

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Neuroenhancement steht für den Versuch gesunder Menschen, die kognitive Leistungsfähigkeit des Gehirns und das psychische Wohlbefinden durch die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten – ohne ärztliche Indikation – verbessern zu wollen. Die Studie prüft, ob belastende Arbeitsbedingungen das Neuroenhancement auslösen, welche Faktoren die Einnahme von Neuroenhancern durch Arbeitnnehmer begünstigen, welche individuellen Faktoren die Einnahme von Arzneimitteln bzw. Wirkstoffen fördern oder hemmen und welchen Zusammenhang es zwischen dem Neuroenhancement und der mentalen Gesundheit gibt. Zusammengefasst stellt sich also die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen belastenden Arbeitsbedingungen und Neuroenhancement?

Im Vorfeld gab es kontroverse Diskussionen über dieses Thema, die in Fachkreisen, aber auch in der Öffentlichkeit geführt wurden. Die einen sehen im Neuroenhancement ein legitimes Mittel zur Leistungssteigerung und fordern sogar eine bessere Zugänglichkeit zu Psychopharmaka, wohingegen die anderen die Ursachen für dieses Verhalten und die Folgen und Nebenwirkungen des Neuroenhancement problematisieren. Sehr hohe Raten, vor allem aus den USA verstärkten die Diskussionen noch.

Allerdings gibt es dazu noch keine empirischen Ergebnisse, weswegen diese Studie nun die Forschungslücke schließen soll.

Die Stichprobe umfasst 4.166 Personen aus folgenden Berufsgruppen: Ärzte, Software-Entwickler, Werbefachleute und Publizisten. Die Berufe wurden ausgewählt, weil sie eine hohe Arbeitsbelastung und -beanspruchung erwarten lassen.

Die Studienergebnisse belegen sehr prägnant einen Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastungen und der mentalen Gesundheit. Bei allen vier Berufsgruppen erhöhen belastende Arbeitsbedingungen die Auftretenswahrscheinlichkeit für Symptome psychischer Beeinträchtigungen. Diese Belastungen führen aber nicht zwangsläufig zum Griff nach leistungssteigernden Arzneimitteln. Neuroenhancement wurde nur von einem kleinen Anteil der Arbeitnehmer betrieben. Die Vierwochenprävalenz liegt bei 1,25 Prozent und die Jahresprävalenz beträgt 2,80 Prozent. Die Lebenszeitprävalenz liegt allerdings bei 8,30 Prozent und lässt auf eine latente Bereitschaft schließen.

Der Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastungen und Neuroenhancement konnte wegen der geringen Prävalenz und der entsprechend beschränkten Fallzahl

allerdings nicht mit zufriedenstellender statistischer Sicherheit erbracht werden.

Die Erklärung für den statistisch schwachen Zusammenhang geben die Tiefeninterviews mit aktiven Enhancern. Arzneimittel bzw. Wirkstoffe nehmen diese nur punktuell ein, wenn die Sorge wächst, den Arbeitsbelastungen nicht gewachsen zu sein.

Neuroenhancement dient in erster Linie dem Leistungserhalt in einer alternativlos

erscheinenden Situation und nicht der Vorteilnahme durch den Einsatz verbotener

Substanzen. Die Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass der Griff zu leistungserhaltenden Substanzen durch ein Zusammenspiel von hohen Arbeitsbelastungen und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen begünstigt wird.

Sonstige Ergebnisse der Studie

- ein geringer Entscheidungsspielraum sowie hohe quantitative Arbeitsanforderungen haben einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit

- Die Führungsqualität und auch das soziale Miteinander können unmittelbar von Betrieb und Führungskräften beeinflusst werden. Im Sinn einer langfristigen Sicherung von gesunden und leistungsfähigen Fachkräften sind sie gut beraten, in die Beziehungen am Arbeitsplatz zu investieren und eine Unternehmenskultur zu implementieren, welche die Arbeitnehmer und ihre Gesundheit in den Mittelpunkt setzt

- Die Arbeitnehmer, die sich schlecht von ihrer beruflichen Aufgabe abgrenzen können, haben deutlich geringere Gesundheitschancen als Arbeitnehmer, die abschalten und entspannen können

- Bei den Persönlichkeitseigenschaften zeigt sich, dass die besonders gewissenhaften Arbeitnehmer über eine schlechtere psychische Gesundheit berichten und anfälliger für Stress sind

- Arbeitnehmer, die in ihrem betrieblichen und sozialen Umfeld Unterstützung finden, sind belastbarer gegenüber hohen Anforderungen

- Die quantitative Erhebung gibt Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen belastenden Arbeitsbedingungen, Persönlichkeitsmerkmalen und der Einnahme leistungssteigernde Medikamente besteht. Ob allerdings ein Arbeitnehmer zu leistungssteigernden Medikamenten und Substanzen greift, hängt von Persönlichkeitseigenschaften und den sozialen Unterstützungsressourcen dieser Person ab. Wegen der geringen Fallzahlen wird dieser Zusammenhang in den statistischen Modellen allerdings unzureichend abgebildet