Fehltage wegen psychischen Erkrankungen nehmen zu

Die Krankenstands-Analyse 2016 der gesetzlichen Krankenkasse DAK hat ergeben, dass es in Deutschland noch nie zuvor so viele Fehltage wegen psychischen Erkrankungen gab. Der Krankenstand hat sich im Jahr 2016 zwar verringert, jedoch nahm die Länge der Krankschreibungen zu.

Psychische Erkrankungen sind immer häufiger der Grund für eine Krankschreibung. Bei den Frauen waren die psychischen Erkrankungen erstmals die häufigste Ursache für Ausfälle. Bei den Männern führen die Muskel-Skelett-Erkrankungen weiterhin zu den meisten Arbeitsausfällen.

Die drei häufigsten Ursachen für Arbeitsausfälle

Mehr als jeder zweite Fehltag wird durch eine der folgenden drei Krankheitsarten verursacht:

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen [22 %],
  • Psychische Erkrankungen [17 %] und
  • Atemwegserkrankungen [15 %].

Depressionen stellen die häufigste psychische Erkrankung dar

Aufgrund von Depressionen entstanden 114,4 Fehltage je 100 Versicherte im Jahr 2016. Die zweithäufigste Ursache für psychische Erkrankungen stellen Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen dar. Aus dieser Diagnose resultierten im Jahr 2016 45,5 Fehlertage je 100 Versicherte. Die Anzahl der Krankschreibungen wegen Burn-out sind dagegen seit 2010 kontinuierlich rückläufig.

Dauer der Krankschreibung um 3 Tage gestiegen

Zwar ist die Anzahl der Krankschreibungen im Vergleich zu 2015 leicht zurückgegangen, dafür ist die Dauer einer Krankschreibung jedoch angestiegen. Eine Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung dauerte durchschnittlich 38 Tage im Jahr 2016 – 3 Tage mehr als im Vorjahr.

Ausfalltage wegen psychischen Erkrankungen sind in 20 Jahren um das 3-Fache gestiegen

Vor 20 Jahren betrug die Anzahl der Fehltage wegen psychischen Erkrankungen 77 je 100 Versicherte. Im Jahr 2016 ist die Zahl auf 246 Fehltage je 100 Versicherte angestiegen – dies bedeutet ein Anstieg um mehr als das 3-Fache. Bei den Frauen waren es sogar 311 Fehltage und damit 60 % mehr als bei den männlichen Kollegen.

Psychische Störungen werden heutzutage besser diagnostiziert

Neben der Zunahme der psychosozialen Belastungen unserer modernen Gesellschaft, hat sich auch das Diagnoseverhalten in den vergangenen 20 Jahren verändert. Früher wurden psychische Störungen in der Diagnose häufig nicht entdeckt bzw. nicht berücksichtigt. Die Akzeptanz der Patienten - vor allem der männlichen Patienten – gegenüber einer psychischen Erkrankung war relativ gering. Die DAK Experten-Befragung hat 2005 bereits ergeben, dass Patienten vermehrt Symptome äußern und der Diagnose „psychische Störung“ zunehmend mehr Akzeptanz schenken. Somit wurden in der Vergangenheit häufig lediglich die Symptome resultierend aus der psychischen Erkrankung behandelt.

Unterversorgung bei psychischen Erkrankungen – monatelanges Warten auf einen Termin

In vielen Regionen in Deutschland stellt die zu geringe Psychotherapeutendichte ein Problem bei der geeigneten Versorgung dar. Ein Psychotherapeut versorgt in ländlichen Regionen rund 6.000 Einwohner. Bei 246 Fehltagen je 100 Versicherte wären das rund 15.000 Fehltage im Jahr [je nach Anzahl der Erwerbstätigen], die ein/e Psychotherapeut/in abfangen müsste. Patienten warten daher häufig Wochen oder sogar Monate bis sie einen Termin bei einem geeigneten Psychotherapeuten erhalten.

Zur frühzeitigen Unterstützung bei Problemsituationen von Mitarbeitenden bieten wir Unternehmen die betriebliche Sozialberatung [BSB] an. 

 

Weitere Informationen zur Verlagerung der Diagnosen in Richtung psychische Erkrankungen von Prof. Dr. Frank Jacobi
Weitere Informationen zur Bertelsmann-Studie zur Psychotherapeutendichte 2015