Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Die heutige Gesellschaft ist verschiedensten Anforderungen und Belastungen ausgesetzt, die sich mit der Zeit verändert haben. Dabei spielen vor allem die Belastungen in der Arbeitswelt eine große Rolle, denn wir verbringen einen nicht unerheblichen Teil unserer Lebenszeit bei der Arbeit. Nicht zuletzt, weil ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben immer häufiger zu beobachten ist.

Dabei sind die Belastungsquellen vielfältig. Sie können sich aus der Arbeitsaufgabe und der Arbeitsorganisation ergeben. Die Arbeitsumgebung sowie das soziale Gefüge spielen hierbei ebenso eine entscheidende Rolle. Körperliche Beschwerden, wie Rückenleiden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie psychische Beanspruchungen können sich entwickeln. Während körperliche Belastungen unter anderem aufgrund der veränderten Arbeitswelt in den letzten Jahren gesunken oder zumindest stabil geblieben sind, gewinnen heutzutage psychische Belastungen zunehmend an Bedeutung. Wobei zum Teil körperliche Beschwerden auf psychische Belastungen zurückzuführen sind.

Laut Arbeitsschutzgesetz § 5 ist eine Analyse und Beurteilung der mit der Arbeit in Verbindung stehenden Gefährdungen sowie eine Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung dieser zwingend geboten. Im Rahmen dessen konnten bereits körperliche Belastungen und Folgeerscheinungen reduziert werden. Der Bereich der psychischen Belastungen blieb jedoch lange unberücksichtigt, obwohl hierzu ebenfalls die Forderung seitens des Gesetzgebers vorhanden war.

Die Psyche eines Menschen ist jedoch ein besonders sensibles Thema. Daher lassen sich Belastungen und Beanspruchungen in diesen Bereich ungleich schwieriger ermitteln als jene auf körperlicher Ebene. Eine reine Beobachtung der Situation lässt es kaum zu folgerichtig auf psychische Belastungen und deren Auswirkungen zu schließen. Nur Experten können dies leisten.

Während technische, biologische oder chemische Gefährdungen objektiv mit Hilfe von Begehungen, Checklisten und rechtlichen Vorgaben zu einer Beurteilung der Situation führen, können psychische Gefährdungen nur unter Einbezug der Beschäftigten selbst ermittelt und beurteilt werden.

Zu Beginn einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen stellt sich die Frage nach potentiellen Belastungsfaktoren. Hierzu hat die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie vier Themenbereiche in Anlehnung an die DIN-ISO 10075 definiert:

  • Arbeitsaufgabe/-inhalte – z. B. Monotonie, Abwechslungsreichtum, Fehleranfälligkeit, Feedback
  • Arbeitsorganisation – z. B. Informationsdichte, Einflussmöglichkeiten, Störungen des Arbeitsablaufes
  • Arbeitsumgebung – z. B. räumliche Situation, arbeitssicherheitstechnische Aspekte, körperliche Belastungen
  • Soziale Beziehungen – z. B. Unternehmenskommunikation, Konflikte, Umgang mit Vorgesetzten

Wie ein Mensch auf Belastungen reagiert, kann individuell verschieden sein. Maßgebend sind hierbei seine Werte, seine Erfahrung und seine Disposition. Diese Tatsache muss bei der Erhebung und Beurteilung psychischer Belastungen berücksichtigt werden. Die reine Ermittlung, ob beispielsweise an einem Arbeitsplatz sich immer wiederholende Abläufe durchgeführt werden oder der Mitarbeiter allein arbeitet, gibt Hinweise auf potenzielle Belastungssituationen. Daraus pauschal abzuleiten, dass derartige Situationen die Mitarbeiter auch psychisch negativ beeinträchtigen wäre jedoch unangemessen. Daher sollte die Ermittlung ebenfalls die Reaktion und Beurteilung der Mitarbeiter auf die genannten Situationen beinhalten. Klassisch lässt sich dies mit einer ergänzenden Fragestellung nach der Wirkung auf die Mitarbeiter realisieren. Aus diesem Grund ist es unerlässlich die Mitarbeiter in den Prozess der Belastungsermittlung einzubeziehen. Darüber hinaus ist auch eine Beurteilung der potentiellen Belastungssituationen hinsichtlich der negativen psychischen Beanspruchung durch die Beschäftigten selbst erforderlich.

Hierfür haben sich bereits sozialwissenschaftliche Methoden als zielführend erwiesen.

Darunter fallen folgende Instrumente:

  • Beobachtung (bedingt geeignet)
  • Fragebogen
  • Workshop als Gruppeninterview
  • Kombination aus verschiedenen Methoden

Um die Gefährdungsbeurteilung physischer Belastungen systematisch, strukturiert und umfassend durchzuführen ist ein schrittweises Vorgehen erforderlich.

Bevor überhaupt die Auswahl des Instrumentes erfolgt, sind eine Absichtserklärung der Führung einzuholen, ein Steuerungsgremium (z.B. den Arbeitsschutzausschuss) einzurichten bzw. mit diesem Thema zu betrauen und ggf. über externe Unterstützung nachzudenken. Nach diesen vorbereitenden Maßnahmen können betriebsspezifisch geeigneten Instrumente ausgewählt und ein Durchführungskonzept erstellt werden. Der Abschluss einer Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung kann dabei je nach Gegebenheit hilfreich sein.

Wichtig für den Erfolg ist die umfassende und transparente Information gegenüber allen Beteiligten, v. a. gegenüber den Beschäftigten. Sie müssen vor der Durchführung über das Vorhaben informiert werden. Hierbei spielen die Themen wie Freiwilligkeit, Anonymität und Datenschutz eine entscheidende Rolle. Auch nach der Erhebung sind die Mitarbeitenden über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen hinsichtlich der Maßnahmenableitung zu informieren und bestenfalls auch aktiv zu beteiligen.

Anhand der Ausführungen wird deutlich, dass die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen einem anderen Prozess zu Grunde liegt, als der technischen Gefährdungsbeurteilung.

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Gemeinsam werden wir Schritt für Schritt alle wichtigen Aspekte praxisnah erarbeiten, Best Practice Beispiele kennenlernen sowie den Austausch über Umsetzungsmöglichkeiten fördern.