Insider News und die aktuellen Entwicklungen zur ISO 45003 - Leitfaden für psychische Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Mit uns bleiben Sie am Ball!

Hinweis: Erfahren Sie die neuesten Entwicklungen in unserem Online-Seminar zur aktuellen Lage ISO 45003, exklusiv von Dr. Christian Weigl, dem Commitee Mitglied.

Hier finden Sie alle Infos und gelangen zur Anmeldung:

https://www.gesundheitsmanagement.com/seminar-menue/seminare/seminarangebot/webinare/webinar-iso-45003-aktuelle-lage/

Von 21.05.2020 bis 05.06.2020 fanden erneut virtuelle Meetings zur weiteren Entwicklung der ISO 45003 Leitfaden für psychische Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit statt. Die Meetings starteten, außer am Wochenende täglich zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten, da die Teilnehmer aus allen Teilen der Welt kamen. So begrüßte der Australier mit einem fröhlichem „Guten Morgen“ die Runde, während es in Deutschland erst 22 Uhr abends war.

Sally Swingewood von der British Standards Institution (BSI), die Organisatorin und Moderatorin der Meetings und führte die Arbeitsgruppe mit den ca. 40 Teilnehmern durch die Agenda. Vor den Meetings konnte man wieder Kommentare mit Änderungs- oder Anpassungswünschen zum vorherigen Entwurf der ISO 45003 (Working Draft 5) abgeben, über die dann in den Meetings abgestimmt wurde.

Durch die hohe Anzahl an Kommentaren und den hohen Diskussionsbedarf, erweiterte man die Meeting Anzahl, sodass diese sich bis 05.06.2020 zogen.

Zwei vorherrschende unterschiedliche Meinung

Schon nach den ersten Tagen spaltete sich die Gruppe grob in zwei Lager: Die einen, die den Leitfaden kurz, in einfachen Sätzen und allgemein halten wollen und die anderen, die sehr viele Beispiele zu jedem Punkt anführen und alle möglichen Situationen, Verhaltensweisen und Belastungen aufzählen wollen.

Deutschland gehört der ersten Gruppe an – denn das ist auch die größte Kritik an den Meetings: Der Leitfaden soll ein Standard sein und keinesfalls ein arbeitswissenschaftliches Lexikon. Ein Standard ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Inhalte stringent verhalten, dass die Gliederungspunkte durchgängig sind und er, ohne zu tief einzutauchen, allgemein alle Themenbereiche abdeckt.

Spanien, Norwegen und Schweden zählen auch zur ersten Gruppe und so stimmten Deutschland und diese Länder meistens gegen die Kommentare, die vorschlugen, noch mehr Beispiele einzufügen oder detailliertere Beschreibungen zu verwenden.

Der Grund für diese zwei Lager sind die jeweiligen nationalen Regularien und Vorgaben, was sich auch in den vorherigen Meetings gezeigt hat. Während es in Deutschland bereits einige Regularien bezüglich psychischer Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gibt, haben andere Länder wenige bis keine Vorgaben. Deswegen wollen diese Länder natürlich mehr Beispiele einbringen, tiefer und detaillierter in die Themengebiete eintauchen, um möglichst alle Szenarien abzubilden.

Wesentliche Kritikpunkte

Neben der fehlenden Stringenz gibt es noch weitere Kritikpunkte an den Meetings:

1. Neue Phänomene, wie z.B. Mobile Arbeitsplätze, Co-Working werden in der ISO 45003 explizit berücksichtigt. Allerdings sind das neue Tendenzen, die nicht in einen Standard gehören.

2. Wenn neue Begriffe mitaufgenommen wurden, wurden diese nicht definiert.

3. Man verlor sich oftmals in langen Diskussionen, in denen jeder zu Wort kam, obwohl es bereits Einigkeit über einen Kommentar gab.

4. Man hielt sich in einigen Punkten nicht an die ISO 45001, die ja als übergeordneter Standard gilt.

5. Dadurch dass die Diskussions- und Entwurfssprache Englisch war, gab es bei einigen Begrifflichkeiten Schwierigkeiten, die genaue Bedeutung zu verstehen und ins Deutsche zu übersetzen (z.B. „psychological health“ – den Begriff gibt es so in Deutschland nicht)

6. Die ISO 45003 ist aufgrund der zwei vorherrschenden Meinungen nicht immer einheitlich aufgebaut: Mal werden viele Beispiele und Situationen aufgezählt, mal nicht. Es fehlt an einer grundsätzlichen Linie.

Ergebnisse der Meetings

Nachdem alle Kommentare diskutiert wurden und der Leitfaden dementsprechend geändert wurde, wurde er nach einer Prüfung nicht mehr als „Commitee Draft“ (CD) sondern als „Draft International Standard“ (DIS) eingestuft.

Dieser DIS ist also nun eine Normempfehlung, über die nochmal in den nationalen Gremien abgestimmt wird und zu der nochmal Kommentare abgegeben werden können. In Deutschland findet die Abstimmung am 02.07.2020 statt. Wenn mehr als ein Viertel der Teilnehmer gegen den Entwurf stimmt, werden die Kommentare nochmal diskutiert und der Leitfaden gegebenenfalls nochmal angepasst.

Das nächste Meeting findet im Oktober 2020 statt und im Frühjahr 2021 soll die ISO 45003 dann final veröffentlicht werden.