Muss ein Arbeitgeber einen höhenverstellbaren Schreibtisch stellen?

Rechtliche Grundlagen

Hoch – runter – hoch – runter – und das per Knopfdruck. Viele Beschäftigte an Bildschirmarbeitsplätzen wünschen sich einen höhenverstellbaren Schreibtisch.
Der Mensch ist weder für ständiges Sitzen noch für ständiges Stehen gemacht. Der Blick in die Firmen zeigt jedoch vor allem in Verwaltungsbereichen das Eine: ständiges Sitzen und das unter Umständen sogar den ganzen Arbeitstag. Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und Rückenschmerzen sind dann keine überraschende Begleiterscheinung. Wir alle wissen, was ständiges Sitzen und Bewegungsmangel mit uns macht. Doch was, wenn die Arbeit das Sitzen am Bildschirm erfordert? Die Lösung wäre ein höhenverstellbarer Schreibtisch, sodass ein Wechsel zwischen Arbeiten im Stehen und Sitzen jederzeit schnell möglich ist.

Muss jedoch ein Arbeitgeber einen höhenverstellbaren Schreibtisch stellen?

Laut Arbeitsschutzgesetz und Arbeitsstättenverordnung hat der Arbeitgeber eine sicherheitsgerechte und gesunde Arbeitsumgebung zu gestalten. Dabei haben Bildschirmarbeitsplätze den ergonomischen Anforderungen gerecht zu werden. Doch sind darunter auch zwangsläufig höhenverstellbare Schreibtische zu verstehen? Die ergonomische Einrichtung eines Arbeitsplatzes bedeutet, dass zur Verfügung gestellte Arbeitsmittel, wie Bürostuhl und Schreibtisch, verstellbar sein müssen um sie an die individuelle Größe der Beschäftigten anpassen zu können. Eine Kombination aus stehend und sitzend Arbeiten im Sinne eines höhenverstellbaren Schreibtisches ist damit jedoch nicht gemeint.
Somit gibt es keine Regelung, die konkret einen höhenverstellbaren Schreibtisch fordert. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung sieht ein solches Arbeitsmittel als eine Möglichkeit zur Gesunderhaltung und Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit an und empfiehlt es damit [DGUV Regel 115 – 401]. Neben höhenverstellbaren Schreibtischen gibt es allerdings auch andere Mittel kurzzeitiges Arbeiten im Stehen zu schaffen, wie beispielsweise über Stehpulte o.Ä.

Die Pflicht zur Anschaffung von höhenverstellbaren Schreibtischen kann sich jedoch im Einzelfall aus anderen Gründen ergeben. Beispielsweise im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Beschäftigte, die länger als 6 Wochen unterbrochen oder ununterbrochen arbeitsunfähig waren, müssen das Angebot seitens des Arbeitsgebers zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement erhalten. Ziel ist es zu klären, wie die Arbeitsunfähigkeit überwunden und die Gesundheit langfristig aufrechterhalten werden kann. Ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch dabei die erfolgsversprechende Maßnahme, dann hat ein Arbeitgeber eine Umsetzung bzw. Anschaffung des höhenverstellbaren Schreibtisches vorzunehmen.

Andernfalls hat ein Mitarbeitender kein Recht auf einen höhenverstellbaren Schreibtisch.

Es empfiehlt sich dennoch im Rahmen von Umbaumaßnahmen oder Einrichtung neuer Räumlichkeiten nach dem präventiven Charakter für alle betreffenden Beschäftigten einen höhenverstellbaren Schreibtisch anzuschaffen.