Planspiel Evakuierung

Effiziente Übung von Abläufen und Aufdeckung von Prozesslücken

Werden in Ihrer Organisation regelmäßige Räumungsübungen durchgeführt? Obwohl Räumungsübungen rechtlich vorgeschrieben sind (§4 Arbeitsstättenverordnung), finden diese in vielen Unternehmen sehr selten oder sogar nie statt. Häufige Gründe dafür sind Ressourcenmangel und die Unterbrechung des Tagesgeschäftes.

Gemäß der Technischen Regel für Arbeitsstätten A2.3 gilt es praktische Räumungsübungen – umgangssprachlich auch Evakuierungsübungen – durchzuführen. Hierbei sollten auch Anforderungen aus anderen Rechtsvorschriften, wie zum Beispiel im Bauordnungsrecht oder im Gefahrstoffrecht, berücksichtigt werden. Dabei gibt die Richtline allerdings nicht vor, in welcher Häufigkeit und in welchem Umfang die Räumungsübungen durchgeführt werden müssen. Als Vorbereitung auf den Ernstfall sind regelmäßige Übungen dringend zu empfehlen. Nur so werden die Abläufe für alle Beteiligten klar und Lücken im Prozess können frühzeitig festgestellt werden.

Eine besonders effektive Möglichkeit zur Übung und genauen Durchleuchtung aller Abläufe ohne Unterbrechung des Tagesgeschäftes ist die Durchführung eines Planspiels. Dabei findet die Evakuierungsübung  am runden Tisch statt. Die Evakuierungsübung wird wie auch im Ernstfall mit allen beteiligten Akteuren durchgeführt, wird aber lediglich simuliert.

Folgende Dinge sind bei der Durchführung eines Evakuierungsplanspiels zu beachten:

1. Ziel

Der gesamte Ablauf eines Notfalls soll durchgespielt werden. Vom Entdecken des Brandes bis zur Wiederfreigabe des brennenden Bereiches. Wenn Prozesslücken auftauchen, können diese in Ruhe diskutiert werden und Maßnahmen getroffen werden.

2. Teilnehmer

Grundsätzlich können Sie alle Teilnehmer zum Planspiel einladen, die am Prozess einer Evakuierungsübung beteiligt sind. Dies sind z.B. Feuerwehr, Polizei, Sanitäter, Brandschutzbeauftragte (falls vorhanden), festgelegte interne Einsatzleitung bei einem Brandfall (Unternehmensleitung, Technikleiter, weitere Abteilungsleiter), Fachkraft für Arbeitssicherheit, eine unbeteiligte Person und ein Moderator. Es ist wichtig, dass auch eine Person daran teilnimmt, die keine besonderen Aufgaben im Brandschutz besitzt. Diese Person wird sich als erstes zu dem Szenario äußern. So wird das allgemeine Verständnis der Belegschaft aufgegriffen, um Wissenslücken zu entdecken.

3. Vorbereitung

Ein Planspiel benötigt, wie auch eine echte Evakuierungsübung, etwas Vorbereitung. Kreieren Sie ein Szenario - z.B. einen plötzlich auftretenden Brand in einem Zimmer. Um die Situation so realistisch wie möglich zu gestalten, sollten Sie die Situation gut beschreiben und ggf. im kleineres Kreis vorbesprechen. Hierbei helfen Bilder des Brandortes (Zimmer), eine Darstellung des gesamten Gebäudes, eine Darstellung der Flucht- und Rettungswegpläne, eine Lageplan des Gebäudes und die Anzahl der anwesenden Personen in dem von Ihnen ausgewählten Bereich.  Häufig wird die Situation mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation dargestellt. Für die Durchführung des Planspiels sollten Sie einen Zeitrahmen von 2-3 Stunden einplanen.

4. Durchführung und Protokollierung

Das Planspiel ist mit Hilfe eines Moderators durchzuführen, um die Zeit nicht aus den Augen zu verlieren und die Diskussionen gezielt zu lenken. Zudem achtet der Moderator darauf, dass alle Parteien zu Wort kommen, um die Prozesse klar und deutlich darstellen zu können. Während des Planspiels wird einer der Teilnehmer Protokoll führen, um die besprochenen Inhalte festzuhalten.

5. Maßnahmenableitung und -umsetzung

Die Durchführung eines solchen Planspiels ist nur dann sinnvoll, wenn die erfassten Protokollpunkte im Nachgang besprochen und Maßnahmen abgeleitet werden. Deren Umsetzung ist dann zeitnah zu überprüfen.  

 

Auch wenn eine Simulation in Form eines Evakuierungs-Planspiels viele Prozesse schärfen kann, wird sie nie so effektiv sein wie eine praktische Evakuierungsübung. Daher empfiehlt es sich die praktische Evakuierungsübung nicht gänzlich zu ersetzen, sondern damit zu ergänzen bzw. im Wechsel zu agieren.