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In Einsamkeit vereint

Wie die Corona-Krise unser aller Gesundheit schleichend beeinträchtigt

 

Wenn uns die, seit über einem Jahr andauernde, Corona-Pandemie eines deutlich gezeigt hat, dann dies: Auch in unserer hochtechnisierten und digital verknüpften Welt sind wir noch immer Menschen mit einem stark ausgeprägtem Hang nach sozialer Interaktion und wenn uns dieses psychische Grundbedürfnis nach Bindung und Kontakt  – wie im Augenblick – genommen oder eingeschränkt wird, hat dies massive Auswirkungen auf unser seelisches Wohlbefinden.

Vor allem der Zustand der Einsamkeit ist für viele Menschen in der Krise regelrecht schon zum Alltag geworden. Die Stille, die fehlende Kommunikation mit einer realen Person, das Gefühl ‚vergessen worden zu sein‘, all dies sind Zustände, die gefährlich für unsere mentale Gesundheit werden können.

Dies kann manchmal zu grotesken, ja fast schon surrealen Situationen führen: So haben sich zum Beispiel in Japan Straftaten von über 65-jährigen den letzten zwei Jahrzenten vervierfacht. Forscher vermuten, dass gerade Ältere durch Ladendiebstahl und Kleinkriminalität bewusst Haftstrafen provozieren, um im Gefängnis ihrer Einsamkeit zu entfliehen.

Neben aller Tragikomik ist es jedoch inzwischen leider eine traurige Tatsache in unserer modernen Welt: Unsere Gesellschaften vereinsamen zunehmend, brechen dadurch auseinander, Werte wie Gemeinwohl und Füreinander verlieren mehr und mehr an Bedeutung.

Ein Problem, das seit vielen Jahren in allen Gesellschaften unter der Oberfläche gärt, durch die Corona-Krise jetzt aber sehr deutlich in das öffentliche Bewusstsein gedrungen ist, nicht zuletzt durch die Erkenntnis, wie schnell jeder von uns durch solch unerwartete Situationen in die Isolation getrieben werden kann. Wie ernst das Problem ist, sieht man auch daran, dass inzwischen mehr und mehr Regierungen dem Thema eine hohe Priorität einräumen. So rief Großbritannien als erstes Land der Welt bereits 2018 ein eigenes Ministerium für Einsamkeit ins Leben. Und auch in Deutschland reagiert die Politik, noch zögerlich, aber immerhin: Im letzten Jahr haben sich Fachpolitiker der Unionsfraktion dringend für eine nationale Strategie gegen Einsamkeit ausgesprochen. „Die Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben deutlich verschärft, was vorher schon da war: Einsamkeit“, so der familienpolitische Sprecher der Fraktion, Marcus Weinberg.

Neben nationalen Anstrengungen oder gesellschaftspolitischen Maßnahmen liegt es jedoch auch an jedem einzelnen von uns, wie wir uns der Vereinsamung entgegenstemmen. Aber wie können wir Gemeinschaft und Kontakte wieder stärker beleben? Das geht oftmals mit kleinen Schritten oder Maßnahmen, die jedoch große Wirkung zeigen können. Zum Beispiel mit realen und authentischen Verbindungen, weniger Whats-App-Chats oder SMS, stattdessen mal wieder ein echtes Telefonat. Auch in der Corona-Krise lassen sich viele Dinge immer noch gemeinsam machen, wie wäre es z.B. im Beruf mit einer gemeinsamen digitalen Mittagspause für die Menschen im Home-Office. Das schafft Bindung und Verständnis, gibt Bestätigung und reale Möglichkeiten zur Kommunikation. Im Alltag kann ein freundlicher Kurzsmalltalk mit der Verkäuferin im Supermarkt oder dem Postboten schon sehr positive Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden haben. Kurzum: Die Krise bietet uns auch Chancen. Eine Rückbesinnung auf Werte, die uns jahrzehntelang geprägt und stark gemacht haben und den Willen, diese Werte auch in einer modernen, komplexen und herausfordernden Welt aufrecht zu erhalten und sie vor allem gemeinsam zu leben.

 

frau

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